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Der Kampf um die richtige Zäumung im Pferdesport
Springreiten mit Metall-Gebisstück muss nicht sein; Rechte: dpa
Springreiten mit Metall-Gebisstück muss nicht sein
Im Reitsport ist es normal, dass die Pferde mit einer Trense gezäumt werden. Die Trense ist ein Gebissstück aus Metall mit Ringen an jeder Seite. Durch die Ringe werden die Zügel eingeschnallt. Die Trense erzeugt einen Druck auf Lippen, Zunge und Kinnlade des Pferdes, wenn der Reiter an den Zügeln zieht. Auf diese Weise gibt er seine Befehle an das Pferd weiter. Die Methode ist alt und "bewährt" und doch scheint sie für das Pferd im Wettkampf eher hinderlich zu sein. Es gibt jedoch auch andere Möglichkeiten, selbst Wettkampf-Pferde zu lenken. Eine davon nennt sich Bosal.
 
Mit Rohhaut und Mähnenhaar statt Stahl
Bosal ist eine gebisslose Zäumung. Sie stammt aus Südamerika und wurde dort vor allem von den Ureinwohnern benutzt. Bei der Bosal-Zäumung wird dem Pferd eine geflochtene Schale aus Rohhaut, das Bosal, auf die Nase gelegt. An der Unterseite, am Kinn, wird die so genannte Mecate angebracht – ein Seil, das aus Mähnen- und Schweifhaar geflochten ist.

Die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd verläuft bei dieser Zäumung über mehrere Kanäle. Das Zupfen an der Mecate beispielsweise bewirkt, dass das Bosal an die Außenseite der Pferdenase stößt und darüber hinaus das Nervensystem am Kinn stimuliert. Doch der Reiter ist weit mehr gefordert, denn die Zügelarbeit allein reicht nicht. Er muss immer auch gleichzeitig Druck mit seinen Schenkeln auf die Flanken des Pferdes ausüben, mit Gewichtsverlagerungen arbeiten und mit dem Pferd sprechen. Eine anspruchsvolle Art zu reiten.
 
Jürgen Krakow aus Bayern ist einer der Verfechter des sanften Turnierreitens. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen hat er es bis an die Spitze geschafft: Er reitet mit seinen gebisslos gezäumten Pferden erfolgreich auch bei internationalen Turnieren mit. Inzwischen startet der Deutsche für Österreich, denn mit seiner anderen Art zu reiten, hatte er keine Chance, in den Nationalkader aufgenommen zu werden. Aber diese Nachteile nimmt Krakow gerne in Kauf. Für ihn steht ein fairer, partnerschaftlicher Umgang mit dem Pferd im Mittelpunkt seiner Arbeit.
"Ich sehe mich als Idealisten, ich habe ein Ideal der Reiterei im Auge. Und eben auch den Menschen zu zeigen, dass ein Pferd im lockeren Zustand, ohne Zwang, diesen Hochleistungssport machen kann. Die Pferde entscheiden sich ganz selbständig so zu springen, sonst ist dieser Sport nicht möglich."
Jürgen Krakow, Profi-Springreiter
 
Unterstützung aus der Wissenschaft
Dass das Reiten mit Trense, dem Stahl im Maul, den Pferden handfeste Nachteile bringt, hat der englische Tierarzt Robert Cook nachgewiesen. Seit mehr als dreißig Jahren untersucht Cook Pferde. Hunderte sind durch sein Testlabor "getrabt". Dabei stieß der englische Forscher auf einen interessanten Zusammenhang. Beim Pferd kreuzen sich im Kehlraum Luft- und Speiseröhre. Das hat eine ganz praktische Konsequenz: Atmet das Tier stark, kann es nicht gleichzeitig schlucken. Schluckt es nämlich, verschließt das Gaumensegel die Luftröhre. Durch die Trense wird das Tier jedoch zum Schlucken angeregt. Dadurch kommt es zu starken Schwankungen in der Atemfrequenz des Pferdes. Das Tier kann den erhöhten Sauerstoffbedarf, der durch das Laufen und Springen entsteht, nicht decken, und gerät so unter Stress.
 
Cook setzt den Pferden bei seinen Versuchen eine winzige Endoskopkamera in den Hals, so kann er die Veränderungen im Kehlkopfbereich beobachten. Dann lässt er sie auf einem Laufband rennen. Bei der Untersuchung von Pferden, die ohne Trense, nur mit einem Bosal gezäumt sind, wird der Unterschied deutlich: Die Luftröhre des Tieres bleibt während des gesamten Versuches weit offen. Der Konflikt, sich zwischen Schlucken und Atmen entscheiden zu müssen, bleibt dem Tier erspart.
 
zuletzt aktualisiert: 26. September 2006 | 14:13
 
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